Karneval in KölnKölner Karneval       Karneval in KölnKarneval in Köln

Rubrik:
  Kultur in Köln - Kunst in Köln
Thema:   Karneval in Köln - Fastelovend in Kölle, der Karnevalshochburg
  
 > Historie - Straßenkarneval - Jecke (Dreigestirn/Korps/Gesellschaften/Interpreten)


Themen-Seite der privaten Web-Präsenz "Köln - die Rheinmetropole und alte Römerstadt". Diese Web-Präsenz verfolgt ausschließlich private und keinerlei kommerzielle Interessen!

Inhalt

1. Überblick
2. Historie
3. Straßenkarneval
4. Jecke
5. Erläuterungen für die Karnevals-Gäste in Köln ("Imis")

A. Anhang (Rosenmontagszug)


1. Überblick

Karneval  – oder Fastelovend/Fasteleer, wie man in Köln sagt  (Vorsicht: Fasching nennen die Kölner ihren Karneval nicht!), – und Köln ... das gehört zusammen. Den Kölnern liegt der Karneval im Blut, ist quasi genetisch. Und neben dem organisierten Karneval (mit Karnevalsgesellschaften, Sitzungen, Bällen und den Umzügen) gibt es vor allem den ursprünglichen Karneval in den Kölner Brauhäusern, in den Kneipen und in Diskotheken sowie ab Weiberfastnacht (Donnerstag vor Karneval) bis zum Karnevals- Dienstag auf der Straße. Bei Sitzungen, Bällen und an den "tollen Tagen"  ist fast jeder mehr oder weniger originell kostümiert.  Und am Aschermittwoch ist dann alles vorbei. Im Rosenmontagszug 2009 wurde der Kölner Karneval an einer Stelle wie folgt erklärt: "Karneval es, wenn sich Himmel un Ähd bützen" (Karneval ist, wenn sich Himmel und Erde küssen).

Schon die Römer feierten Karneval nach ihren heidnischen Bräuchen, so auch im Römischen Köln (CCAA).  Mit der Verbreitung des Christentums im Römischen Imperium wurden die heidnischen Bräuche aus dem Karnevalstreiben entfernt und das Fest an das Kirchenjahr angepaßt. Der Karnevalssonntag ist jeweils der siebte Sonntag vor Ostern, Rosenmontag ist mithin 48 Tage vor Ostersonntag.  Im Mittelalter und damit auch im Mittelalterlichen Köln wurde das Fest durch die jeweils bestimmenden Schichten der Gesellschaft geprägt. Nachdem die Franzosen nach ihrer Besetzung des Rheinlandes (1794) jedes närrische Treiben unterbunden hatten, wurde nach dem Wiener Kongress (1815), bei dem das Rheinland und damit auch Köln Preußen zugeschlagen wurde,  im Jahr 1823 der Kölner Karneval reformiert und erhielt seine heutige Form. In Köln fand 1823 der erste organisierte Karnevalszug in Deutschland statt, heute der größte Zug Deutschlands und wohl der Welt.. Die größten Umzüge nach dem Kölner Zug finden heutzutage in Mainz und Düsseldorf statt.

Die Kölner Karnevalssession wird jeweils am 11.11. um 11.11 Uhr am Alter Markt  in der Kölner Altstadt mit einer Veranstaltung im Freien eröffnet; dabei wird auch das neue  Dreigestirn (Prinz, Bauer und Jungfrau) vorgestellt. Nach Neujahr beginnt dann die „5. Jahreszeit“ mit dem Höhepunkt am Rosenmontag, dem in Köln „Zoch“ genannten Rosenmontagszug. Der Straßen-Karneval beginnt an Weiberfastnacht (= Donnerstag vor Karneval). Die Session endet am Aschermittwoch. Allerdings gehen in den letzten Jahren immer mehr Altstadtwirte dazu über, auch schon vor der Session und teilweise sogar während und in Nähe der Weihnachtsmärkte ihre Gäste mit Karnevalsmusik auf die "tollen Tage" einzustimmen, wohl nicht zuletzt deshalb, weil Karneval für die Gastronomie wie für viele andere Branchen und auch für die Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Magnet für Touristen geworden ist. Manche Bürger bedauern diese Entwicklung ebenso wie so manche Alkoholexzesse vor allem junger Karnevalsjecke. Dieses Problem ist aber inzwischen beim offiziellen Karneval erkannt worden.

Die Dauer der Session
hängt vom Kalender ab, da - wie schon erwähnt - der Karnevalssonntag jeweils der siebte Sonntag vor Ostern ist. Sie steht immer unter einem Motto für den Rosenmontagszug:  z. B.  2004 "Laach doch ens, et weed widder wäde" (Lach doch mal, es wird wieder gut werden),  2008 "Jeschenke för Kölle - uns Kulturkamelle",  2009 "Unser Fastelovend - himmlich jeck", 2010 "In Kölle jebützt" (In Köln geküßt) und 2012 "Jedem Jeck sing Pappnas". Im organisierten Teil des Karnevals gibt es ca. 160 Korps, Karnevals-Gesellschaften und -Vereine und in der Session bis ca. 600 Sitzungen und Bälle, die von bis zu 700000 Jecken besucht werden..

Wenn man Besuchern Kölns Hinweise geben will, wo sich Karneval in Köln am besten feiern lässt, so ist das kaum zu beantworten. Karneval kann man an den tollen Tagen ab Weiberfastnacht in Köln fast überall feiern ... auf den Straßen und zentralen Plätzen in der Altstadt, im Studentenviertel am Zülpicher Platz (Uni-Nähe), in den großen Brauhäusern der Innenstadt  (wie Haus Zims und Malzmühle  am HeumarktWalfisch in der Salzgasse Nähe Heumarkt, Peters am Altermarkt, Gaffel-Haus, Früh und Sion in Dom-Nähe, Päffgen an der Friesenstr.), in jeder Kneipe im Zentrum (fragen sie Kölner, wo es am urigsten zugeht!) und fast jeder Kneipe in den Stadtvierteln (wie insbes. Südstadt, Belgisches Viertel, Nippes, Sülz, Ehrenfeld) sowie in Clubs und Discos. Der Rat an die Gäste in der Stadt: Verkleiden Sie sich und dann einfach rein in den Trubel und beim Trinken, Singen, Schunkeln und Tanzen mitmachen, auch wenn Nicht-Kölner die meist auf Kölsch gesungenen Karnevalslieder sicher nicht verstehen und nur bedingt mitsingen können. Das "Viva Colonia" der Höhner ist allerdings längst bundesweit bekannt. Kölsch trinken kann hingegen jeder. Die meisten Kölner sind tolerant und vor allem zu Karneval offen für andere Menschen, so dass Fremde selten Probleme haben, in den Karneval mit einzutauchen. Besucher von außerhalb sollten aber bedenken, dass Köln zu Karnevalszeiten aus allen Nähten platzt. Die Brauhäuser und Kneipen sind zuweilen so proppevoll, dass sich Unkundige erstmal hieran gewöhnen müssen. In Köln halten sich an den Karnevalstagen zeitweise doppelt so viel Menschen auf wie sonst  (Köln hat ca. 1 Million Einwohner und zumeist über 1,2  Million Besucher beim "Zoch"!).

Übrigens: "Kölsch" ist Sprache (Kölner Dialekt), Getränk (obergäriges Bier in den kölschtypischen Stangengläsern) und Lebensphilosophie in einem.

Wegen der leider in den letzten Jahren zunehmenden Auswüchse mit den vorgenannten Alkohol-Exzessen von einigen Unverbesserlichen und wegen des leichtfertigen gefährlichen Umgangs mit Flaschen und Gläsern gilt ab 2010 in einigen wenigen zentralen Feierbereichen ein Glasverbot auf der Straße und ein Verkaufsverbot von Glasflaschen. Besucher sollten das berücksichtigen.  Es wird kontrolliert!  Das Verbot betrifft zu definierten Uhrzeiten einen kleinen Teil der Altstadt und der Ringstraße sowie den Studententreffpunkt  "Quartier Lateng" (Zülpicher Str./Zülpicher Platz).

2. Historie

Schon die Römer feierten K
arneval in Köln, da die alte Römerstadt CCAA als römische Colonia (= Stadt römischen Rechts) auch das Recht hatte, die gleichen Feste zu feiern wie Rom. Die Römer feierten im Dezember das Fest der Saturnalien, ein Freudenfest der antiken Welt mit einem Umzug, das sich später zu einem Karnevalstreiben entwickelte. Mit der Verbreitung des Christentums im Römischen Imperium ab dem Mailänder Toleranzedikt unter Kaiser Konstantin (313) wurden die heidnischen Bräuche aus dem Karnevalstreiben entfernt und das Fest an das Kirchenjahr angepaßt. Karnevalssonntag ist jeweils der siebte Sonntag vor Ostern. Im Mittelalter und damit auch im Mittelalterlichen Köln wurde Karneval durch die jeweils bestimmenden Schichten der Gesellschaft geprägt. Nachdem die Franzosen nach ihrer Besetzung des Rheinlandes (1794) jedes närrische Treiben unterbunden hatten, wurde nach dem Wiener Kongress (1815) mit der Zuordnung Kölns zu Preußen im Jahr 1823 der Kölner Karneval reformiert und erhielt seine heutige Form, wohl um einem Verbot durch die eher karnevalsfeindlichen Preußen zuvorzukommen.  In Köln fand 1823 der erste organisierte Karnevalszug in Deutschland statt.

1823 wurde also der Kölner Kanrneval  „geordnet“ - zumindest der offizielle Karneval - :



3. Straßenkarneval

Zum Kölner Straßenkarneval gehören folgende Umzüge:

Üblicher Ablauf des Kölner Straßen-Karnevals im Einzelnen (mit wichtigsten Ereignissen und Terminen 16. - 21.02.2012):

Donnerstag/Wieverfastelovend (Weiberfastnacht):        

Freitag:                         

Samstag:  

Karnevals-Sonntag:

Rosenmontag: 

Karnevals-Dienstag:

Orte und Termine der Auftaktveranstaltungen Weiberfastnacht und der Züge in den Stadtvierteln siehe auf der Internetseite des Festkomitee Kölner Karneval.

Kölner KarnevalKölner Karneval/Funken-Biwak
Funken-Biwak auf dem Neumarkt
Kölner Karneval/Funken-Biwak
Funken-Biwak auf dem Neumarkt
Kölner Karneval/Funken-Biwak
Funken-Biwak auf dem Neumarkt
Kölner Karneval/Tanzgruppe

Kölner Karneval/Tanzgruppe 2005Kölner Karneval/Tanzgruppe 2005
Tanzgruppe "Goldene Lyskirchener Hellige Knäächte un Mägde" im DuMont-Carrée  *
Kölner Karneval
Kölner Karneval


    Das Kölner Dreigestirn 2004  
Kölner Karneval

 Das Kölner Dreigestirn 2007
Kölner Karneval/Dreigestirn  
Kölner Karneval
Kölner Karneval/Jeck weiblichKölner Karneval/Jeck weiblich
2 Kölner Karnevalsjecke
Kölner Karneval
Kölner Karneval

* Die "Lyskirchener" gingen bereits 1823 zusammen mit den Roten Funken im ersten Kölner Rosenmontagszug mit. 


4. Jecke

4.1
Dreigestirn 

Das Kölner Dreigestirn mit Prinz, Bauer und Jungfrau (traditionell von einem Mann dargestellt) ist etwas Kölnspezifisches und gibt es in den anderen Karnevalsstädten nicht. Die Figuren des Dreigestirn entstammen der Stadtgeschichte; den Begriff Dreigestirn gibt es aber erst seit 1938, seitdem sie als solches gemeinsam - der Prinz auf seinem Prinzenwagen und Bauer/Jungfrau zusammen auf  einem anderen Festwagen davor - am Rosenmontag durch die Stadt ziehen. Bauer und Jungfrau gehören seit 1825 zur fallweisen, seit  1883 zur festen Einrichtung im Kölner Karneval.

Der Prinz Karneval (ursprünglich bis 1871 der "Held Karneval") in einem dem Kaisergewand nachempfundenen Aufzug symbolisiert den Karneval und soll mit edlem Charakter das gewöhnliche Treiben in geordnete Bahnen lenken und alle Mißstände beseitigen. Er trägt eine Krone mit Pfauenschweif und eine Pritsche, die der Fruchtbarkeitsrute der Germanen nachgebildet ist.

Der Kölner Bauer ist dem Schildhalter im ehemaligen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation nachempfunden, der die  Wahrhaftigkeit, Treue zum Reich und Tapferkeit der mittelalterlichen Reichsstadt Köln symbolisierte. Er trägt als Symbol des Beschützers der Stadt Stadtschlüssel, Schwert und Dreschflegel sowie als Symbol der Unsterblichkeit der Stadt, die der Bauer verkörpert, einen Hut mit Pfauenfedern. Die Figur wurde erstmals 1422 in den Analen der Stadt erwähnt.

Die Kölner Jungfrau (in römischen Gewändern) war das Symbol für eine unabhängige und uneinnehmbare - niemals einer fremden Macht unterworfene -  freie Reichsstadt Köln.  Sie trägt eine Mauerkrone als Symbol der Unbesiegbarkeit des alten mittelalterlichen  Köln. Die  Kölner Jungfrau wurde erstmals 1570 erwähnt. 


4.2 Kölner Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften und Interpreten

> 9 Traditionskorps (K) und einige der vielen Karnevalsgesellschaften:      

Die Roten Funken sind das älteste Korps (Korps = Auftritt in Uniform) in Köln; sie treten in der Uniform der früheren       Kölner  Stadtsoldaten vor der  Besetzung Kölns durch die Franzosen (1794) auf. Die Stadtsoldaten waren seit 1660 eine Miliz der freien Reichsstadt. Sehr  originell und populär ist der "Stippeföttchen-Tanz" der roten Funken, eine Persiflage auf strammesSoldatentum. Die Blauen Funken sind das zweitälteste Korps  im Kölner Karneval; sie tragen eine preußische Uniform (der Arnsberg-       Bayreuther Dragoner) und können  ebenfalls auf eine lange und ununterbrochene Tradition zurückschauen.

    und viele andere.

> Einige bekannte Gruppen, Sänger  und Redner im Kölner Sitzungs-Karneval:

Die prominentesten der heute im Karneval  - aber auch über Köln und den Karneval hinaus - auftretenden  Gesangsgruppen sind  die Bläck Fööss, die 1970 als erste in der Karnevals-Szene mit Kölsch-Rock aufgetreten sind,  die Höhner (seit 1972), die Paveier (seit 1983) und De Räuber - das Kölsche Kleeblatt -, die die bunte Kölner Musikszene mitprägen. Daneben gibt es viele weitere Gesangsgruppen. Viele der seit Anfang der 70iger Jahre von den "Fööss", der"Mutter aller kölschen Bands", und den Höhnern und später auch den Paveiern, den Räubern und anderen Gruppen im Karneval vorgetragenen Lieder haben - wie auch die Lieder des unvergessenen Willy Ostermann - in Köln (und manche über die Stadtgrenzen und den Karneval  hinaus)  längst Volkslied-Charakter angenommen und gehörem zum kölschen Kulturgut. Sie kennt in Köln buchstäblich jedes Kind.

Einer der immer noch bekanntesten Kölner Liedermacher und Interpreten der Kölner Karnevals und eine der geschichtlichen Persönlichkeiten Kölns ist Willy Ostermann (1876-1936), der über 100 Titel - Kölsche Leedcher,  aber auch hochdeutsche Rhein- und Wein-Lieder - schuf, von denen weit über 20 in Köln und darüberhinaus  unvergessen sind  (wie "Och wat wor dat fröher schön doch enn Colonia", "Einmal am Rhein" und sein letztes Lied "Heimweh nach Köln (Ich möch zo Fooss no Kölle jonn)" , das im 2. Weltkrieg so etwas wie die heimliche Nationalhymne wurde).  Eine der unvergessenen Musik-Gruppen der Nachkriegszeit waren "De vier Botze".

Einige der heute im Karneval auftretenden  Gruppen:
    - Bläck Fööss (hochdeutsch: Nackte Füße)
    - Höhner  (Hühner)
    - Paveier  (Straßenpflasterer)
    - De Räuber

    - Brings (an sich eine Rock-Band)
   
- Colör
    - De Boore
    - Hanak (eine neue Kölsch-Rockband)
    - Kolibris 
    - Rabaue
    und viele andere. Vor allem die vier erstgenannten, das kölsche Kleeblatt, sind seit Jahrzehnten fester Bestand der Kölner  Musik-Szene.

Einige Lieder- und  "Krätzchens"-Sänger von früher und heute:
   
-  De vier Botze (Auftritte 1933 bis 1960-iger Jahre)
    -  Karl Berbuer (1900-1977)
    -
Jupp Schmitz (1901-1991)
    - Jupp Schlösser (1902-1983)
    -  Horst Muys (1925-1970)

    -  Steingaß-Terzett (Toni Steingaß 1921-1987)
    -  Eilemann-Trio (Günter Eilemann geb. 1923)
  
    -  Fuhrmann und Kulik
    -  Vicky Junggeburth (ehemaliger Prinz Karneval)
    -  Marita Köllner (Et fussich Julche)
    -  Marie-Luise Nikuta, die seit Jahrzehnten das jeweilige Mottolied schreibt,

    sowie

    -  die Volksschauspieler Willy Millowitsch (1909-1999) und Trude Herr (1927-1991), die auch in Sitzungen auftraten,
    -  das unvergleichliche Colonia-Duett
mit  Hans Süper (geb. 1939)  und  "dat Ei" Hans Zimmermann (gest. 1994), ab 1974  über 15 Jahre immer einer der Höhepunkte im Kölner Karneval und
   -  ab 1991
ca. 10 Jahre erfolgreiche Nachfolger des  Colonia-Duetts das Süper-Duett  mit Hans Süper und seinem neuen Partner Werner  Keppel, an das den Autor aktuell das neue Duo  Fuhrmann und Kulik erinnert.

Einige namhafte (Bütten-) Redner von früher und heute:
    - De doof Noss (Hans Hachenberg)
    - Dä Mann met däm Hötche (Peter Raddatz) 
  

    - Der bergische Landbote (Ferdinand Huik
)
    - Der Mann für alle Fälle (Guido Cantz, mehr ein Kabarettist als Büttenredner)

    - Der Mann von der blauen Partei (Toni Geller)
   
- Ein schöner Mann vom Lande (Kurt Lauterbach)
    - Et Botterblömche (Hans Bols
)
    - Et Rumpelstielzje (Fritz Schops) 
  
    - Ne bergische Jung (Willibert Pauels), der Fromme Jeck
    - Ne boore Jung (Peter Reif)
    - Ne Hausmann (Jürgen Beckers aus Aachen)
    - Ne Knallkopp (Dieter Röder)
    - Ne kölsche Schutzmann (Jupp Menth)

    - Ne Weltenbummler (Gerd Rück)

    - Dä Blötschkopp (Marc Metzger)

Leider ist in den Sitzungen die "Bütt", das Redner-Pult der Büttenredner, inzwischen fast komplett  verschwunden, wohl als Folge des Fernseh-Zeitalters. Damit stirbt eine schöne Tradition im sonst so traditionsbewußten Kölner Karneval. Zugleich werden die Büttenredner leider immer mehr zu kaberettistischen Rednern mit stark Hochdeutsch (statt Kölsch) geprägten Reden.

Neben den Sängern und (Bütten-) Rednern sind ein fester Bestandteil jeder Sitzung die unzähligen Tanzgruppen, die teilweise eine lange Tradition haben, wie  z. B. die ""Goldene" Lyskirchener Hellige Knäächte un Mägde" (s. Fotos oben), die bereits 1823 zusammen mit den Roten Funken im ersten Kölner Rosenmontagszug mitgezogen ist.

Mit der "Doof Noss" hat Hans Hachenberg eine unvergessene urkölsche Type im Sitzungskarneval präsentiert und war fast ein halbes Jahrhundert mit der typisch kölschen und in Kölsch gehaltenen Büttenrede unterwegs, mit köstlichen Pointen und "sauberen" Geschichten über eine kölsche Familie. De doof Noss sprach über verflixte Geschichten und Situationen, bei denen oft auch die Obrigkeit kritisiert wurde, ohne das eigene Überleben aufs Spiel zu setzen. De doof Noss führte immer die sehr menschliche Form des kölschen Fastelovends vor. Leider gibt es heute solche Typenreden kaum noch, auch die "Bütt" ist zumeist vom Podium verschwunden.


5. Erläuterungen für die Karnevals-Gäste in Köln ("Imis")

Alaaf
Der Kölner Karnavalsschlachtruf "Kölle Alaaf" ist aus einer Bittschrift des Fürsten Metternich an den Kölner Kurfürsten 1635 belegt. Er wird in Kölner Karneval seit dessen Reformierung 1823 verwandt. "Alaaf" kommt vom altkölnischen Begriff „all af“ (alles ab). Eine von mehreren Deutungen für Kölle Alaaf ist somit  „Köln vor allem (anderen)“. Heute heißt es in Köln bei Sitzungen "Dreimol Kölle Alaaf". Alaaf ist auch in anderen Teilen des Rheinlandes (u. a. in Aachen, Bonn und Leverkusen) gebräuchlich.

Ähzezupp (Erbsensuppe)
Diese Suppe ist ein beliebtes kleines Mahl am - zumeist kalten - Zugweg am Rosenmontag.

Bütt
In der Wasch-Bütt wurde früher die schmutzige Wäsche gewaschen. Im Karneval wurde die Bütt, zumeist als ein Fass, dem Redner als Redeplatz hingestellt. Leider ist die "Bütt" in den Sitzungen inzwischen fast völlig verschwunden; aus den typisch kölschen Büttenrednern sind, leider wohl dem TV-geprägten Zeitgeist folgend, mehr und mehr kabarettistische Redner geworden.

Bützjer
Küsschen, Karneval sehr beliebt (eigentlich auf die Wange, na. ja)

Elf
E(galite), L(iberte), F(raternite) - Einheit, Freiheit, Brüderlichkeit  - war das Motto der französichen Revolution; die Anfangsbuchstaben ergeben aneinandergereiht das Wort "Elf"
. Es gibt allerdings noch viele andere Erklärungen zur Herkunft dieser "närrischen" Zahl. Am 11. im 11. um 11.11 Uhr wird in Köln die neue Session eröffnet; der Sitzungspräsident steht dem "Elferrat" als gleicher (Jeck) unter lauter Jecken vor.

Funkenmariechen
Das Tanzmariechen, eine an die Marketenderinnen im 30-jährigen Krieg angelehnte traditionelle Figur im rheinischen Karneval, heißt in Köln bei den Funkengarden Funkenmariechen, bei Prinzen- und Ehrengarde Regimentstochter und beim Reiter-Korps Jan von Werth immer noch Markentenderin. Eigentlich gibt es Funkenmariechen also nur bei den Funken. Der Begriff wird aber oft auch als Sammelbegriff für alle Solotänzerinnen bei den Sitzungen gebraucht.

Halve Hahn  (Halber Hahn) 
Der Halve Hahn ist  kein halbes Hähnchen (!), sondern ein kölsches Brauhaus-Häppchen, bestehend aus einem Röggelchen (Roggenbrötchen) und mittelaltem Holländer Käse. Über die Entstehung des Begriffs ranken sich viele Geschichtchen.

Himmel un Ähd (Himmel und Erde)
Himmel un Ähd  ist ein kölsches Gericht, bestehend aus Kartoffel-Puree mit gekochten Äpfeln und gebratener Flöns (Blutwurst).

Imi 
Die - keineswegs abwertend gemeinte - Bezeichnung Imi für Nichtkölner und Gäste kommt von dem Begriff "imitierter Kölner", der in einem Nachkriegs-Karnevalslied gebraucht worden war.
Achtung Imis: Wer kein Kölsch mehr will, sollte einen Bierdeckel aufs Glas legen! In Brauhäusern (und in vielen Kneipen) ist es üblich und von den Kölnern auch gewollt, Kölsch ungefragt hinzustellen.

Jan von Werth
Der Reitergeneral steht seit über 100 Jahren als Denkmal auf den Alter Markt und gehört auch zu  vielen Figuren von
Prominenten der Geschichte auf dem Rathausturm. An Weiberfastnacht erinnert das Reiterkorps "Jan von Werth" an der Vringspooz (Severinstor) an das Wiedersehen des mittlerweile zum General aufgestiegenen Jan mit der Magd Griet, die ihn als einfachen Bauernburschen einst verschmäht hatte. "Wer et hätt gewoss." seufzt sie und er antwortet "Wer et hätt gedonn!"

Kölsch
"Kölsch" ist Sprache (Kölner Dialekt), Getränk (obergäriges Bier in den kölschtypischen Stangengläsern) und Lebensphilosophie in einem.

Kölscher Kaviar
Kölscher Kaviar ist ein kölsches Brauhaus-Häppchen, bestehend aus einer Portion Flönz (Blutwurst), einem  Röggelchen
(Roggenbrötchen) und Zwiebelringen.

Köbes
Der Köbes (hochdeutsch Jakob), noch in den meisten kölschen Brauhäusern
(wie Früh, Sion, Päffgen, Malzmühle, Peters; also nicht in den vielen "normalen" Kneipen!) anzutreffen, ist ein Kellner ganz besonderer Art. Man muss die oftmals sehr direkte Art der Köbesse nicht unbedingt mögen - auch manche Kölner tun das nicht - , andere finden sie sehr originell und gemütlich. Köbesse sind oftmals geborene Unterhalter - zumindest die noch "echten", also leider längst nicht mehr alle -.  Wer bei den noch echten Köbessen nichts zu lachen hat, ist selber schuld. Die Köbesse gehören zu den kölschen Brauhäuser einfach dazu wie der Dom zu Kölle. Manchmal sind die Köbesse heutzutage auch weiblich (wie z. B. in der Altstadtkneipe Walfisch und heißen dort "Jakobinchen"). Der Name Köbes stammt übrigens dem Vernehmen nach aus dem Mittelalter, als Köln wichtige Station der Jakobspilger war und viele Pilger sich in Kneipen das Geld  für den Pilgerweg verdienen mussten. Achtung Imis (s. o.): Wer kein Kölsch mehr will, sollte einen Bierdeckel aufs Glas legen. In Brauhäusern (und in vielen Kneipen) ist es üblich und von den Kölnern auch gewollt, Kölsch ungefragt hinzustellen.

Pittermännchen
10l-Bierfässchen
(mit Kölsch)

Rosenmontag
Der Name Rosenmontag soll einer Deutung zufolge aus dem mittelalterlichen "Rasenmontag“ (= „rasendender Montag) stammen. Es gibt aber auch andere Deutungen.

Rote Funken
Die Kölner Stadtsoldaten, wegen ihrer roten Uniform auch "Funken" genannt, wurden nach dem Einmarsch der Franzosen 1794 aufgelöst. Als 1823 der Kölner Karneval neu organisiert wurde, wurde aus diesen Funken ein Karnevals-Korps.

Schmier
Polizei/Polizisten, die sich beim Rosenmontagszug oft bützen (s. o.) lassen (müssen).

Tünnes und Schäl
Tünnes und Schäl - zwei Figuren des Kölner Haenneschen-Theaters - sind zwei Urtypen des kölschen Humors und werden mit Köln verbunden wie der Dom, Kölnisch Wasser und der FC und spielen oft auch im Karneval eine Rolle. Der
Tünnes ist ein eher gutmütiger ulkiger Kerl, Schäl ist boshaft ironisch, beide  bissig im Humor. Historische Figuren wie einige andere bekannte kölsche Originale sind sie allerdings nicht.

... und die Kölner Lebensphilosophie (Das Kölner Grundgesetz - eine von diversen Fassungen! -):

1   Et es, wie et es.            2   Et kütt, wie et kütt.             3   Et hät noch immer jot jejange.  4   Küste hück nit, küste morje.
5   Wat fott es, es fott.       6   Jede Jeck es anders.          7   Wat soll dä Quatsch.                 8   Hammer immer esu jemaat.  
9   Drink doch ene met.  
10 Kenne mer nit, bruche mer nit     

Das - nicht allzu ernst zu nehmende - Motto eines eingefleischten (männlichen) Kölners könnte frei nach Sokrates lauten:
"Für 3 Dinge danke ich dem Schicksal. Erstens, dass ich ein Mensch bin und kein Tier. Zweitens, dass ich ein Mann bin und kein Weib. Drittens, dass ich ein Helene (= Kölner) bin und kein Barbar (= Düsseldorfer)." (Sokrates, griechischer Philosoph, 3. Jhdt. v. Chr.)

Kölner Karneval/Dr kölsche Boor
(Skulptur
im historischen Rathaus)  
Kölner Karneval/Dr kölsche Boor
(am Eigelsteintor)
Der kölsche Boor (Bauer)
                    
Kölner Karneval/Tünnes und Schäl
Denkmal Tünnes und Schäl
(Nähe Groß St. Martin)
Kölner Karneval/Jupp-Schmitz-Denkmal
Jupp-Schmitz-Denkmal
(Jupp-Schmitz-Plätzchen am Baukomplex An Farina)
Kölner Karneval/Karl-Berbuir-Platz
Denkmal  "Müllemer Bötche" mit Karl Berbuir
(Karl-Berbuir-Platz in der Kölner Südstadt)

A. Anhang (Rosenmontagszug)
                                                                                                                                          
Der Zoch

Der Kölner Rosenmontagszug ist der Höhepunkt des offiziellen Karnevals jeder Karnevalssession in Köln. Zumeist über 1,2 Millionen Menschen besuchen den Zugweg in der Kölner Innenstadt, um den größten Karnevalszumzug in Deutschland zu sehen und zu erleben.

Jedes Jahr steht der "Zoch" unter einem anderen Motto, dass sich wie ein roter Faden durch den ganzen Zug zieht, damit sich in dieser karnevalistischen Großveranstaltung ein einheitliches Bild ergibt. Populäre und aktuelle Themen aus Politik, Sport, Wirtschaft, aber auch Gesellschaft und Stadtleben werden hier parodiert. Der Zug ist in Abteilungen und Gruppen eingeteilt. Zugleiter: bis 2005 Alexander von Chiari, ab 2006 Christoph Kuckelkorn

Ein wichtiges Element im Zoch sind die Darstellungen der Traditionskorps, der Tanzgruppen und der Karnevals-Gesellschaften, die mit Fußgruppen, Reitern, Kutschen und Fest- oder Prunkwagen mitziehen. Sie haben ebenso viel Spaß wie die Zuschauer am Straßenrand und auf den Tribünen. Das  Wurfmaterial (Kamelle, Schokolade, Pralinen  und Strüßjer) zahlen sie  selbst nach dem Motte “Wä jitt, wat hä hätt, es wäät, dat hä lääv“ - Wer gibt, was er hat, ist wert, dass er lebt -.

Als Höhepunkt eines jeden Zuges gilt, wenn am Zugende Prinz, Bauer und Jungfrau dem närrischen Volk zujubeln. Das Dreigestirn genießt den Augenblick, denn „Am Aschermittwoch ist alles vorbei ".

Zugweg des Kölner Rosenmontagszuges 2010 und 2011 (Vorbeimarschzeit mind 4 Stunden):
Start 10:30 am Chlodwigplatz in der Kölner Südstadt -  Severinsstraße -  Mathiasstraße (= Umweg nach dem Einsturz des Stadtarchivs an der Severinsstraße) -  Hohe Straße - Schildergasse - Krebsgasse - Breite Straße - Magnusstraße/Burgmauer - Brückenstraße -  Gürzenichstraße - Heumarkt - Alter Markt - Am Hof - vorbei am Kölner Dom - An den Dominikanern - Zeughausstraße - Mohrenstraße und Auflösung der Zugspitze gegen 14:30 (mit einer kleinen Abweichung auch Weg der Schull- und Veedelszöch am Karnevals-Sonntag)

Daten des Rosenmontagszuges 2010:
Länge des Zuges: 7 km, Länge des Zugwegs: 6,7 km, Vorbeimarschzeit: über 4 Stunden, ca. 12100 Teilnehmer/innen, 123 Musik-Kapellen aus Köln, dem Umland und dem In- und Ausland, 97 Fest-und Persiflagewagen, Prunkwagen und Kutschen.

Zuschauer:
Rosenmontagszug:
2007: ca. 1,2 Mio; Motto "Mir all
sin Kölle".  2008:  ca. 1,2 Mio; Motto: "Jeschenke för Kölle - uns Kulturkamelle".  2009: ca. 1,2 Mio; Motto: "Unser Fastelovend - himmlich jeck".  2010:  ca.  1,3 Mio;  Motto: "In Kölle jebützt".  2011: weit über 1 Mio;  Motto "Köln hat was zu beaten"  - Erfreuliches Zitat der Polizei für 2011: "... Und wenn man bedenkt, dass gestern so viele Jecke wie seit Jahren nicht mehr in Köln waren, hatten wir relativ weniger Einsätze als im Vorjahr".

Schull- und Veedelszöch am Karnevals-Sonntag
:
2007: ca. 500 000.  2008: ca. 600 000. 2009 (bei schlechtem Wetter): ca. 300 000. 2010  (bei Eis, Schnee und Kälte): ca. 200000  2011: laut Polizei ca. 450000

Kölner Karneval/Rosenmontagszug 1836                                   
                                                                                                                                                                         Rosenmontagszug 1836 am Neumarkt
                                                                                                                                                                                    (gemeinfreie Kopie)  




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Stand: ^0.02.2012


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