Römisches Köln (CCAA)

Rubrik:
  Kölner Geschichte   
Thema: Römisches Köln - Köln
zur Römerzeit (CCAA)
                    mit Geschichtsdaten zum Römischen Köln und mit Anhang  "Antike Geschichte - Datensammlung zur antiken Geschichte"

> Stadtgründung - Colonia (CCAA) - Agrippina - römische Stadtmauer und Straßen

Themen-Seite der privaten Web-Präsenz "Köln - die Rheinmetropole und alte Römerstadt".  Diese Web-Präsenz verfolgt ausschließlich private und keinerlei kommerzielle Interessen!

0. Vorbemerkungen und Inhalt

Historisch und kulturell umfaßt die Stadtgeschichte Kölns - grob gegliedert - drei  EpochenDiese geschichtliche Epochen Kölns werden in den nachfolgend genannten drei Themen-Seiten der Rubrik "Kölner Geschichte" dieses Internetauftritts näher beschrieben:

Römisches Köln
                                                                          
um 19 v. Chr. -  um 455 n. Chr.
ab 50 n. Chr. Status einer Colonia (Stadt römischen Rechts)
ab um 90 n. Chr. römische Provinzhauptstadt
zeitweise Kaiseresidenz
Mittelalterliches Köln um 455 - um 1500

um 460 - 8. Jhdt. Residenzstadt der Franken
bis 1288 Residenzstadt des Kurfürstentum Köln
ab 1288 de facto und ab 1475 de jure Freie Reichsstadt
Neuzeitliches  Köln - Köln heute
ab um 1500
1794 - 1814 französische Besatzung
1815 - 1918 Königreich Preußen
aktuell größte Stadt in NRW und viertgrößte in der BRD

Inhalt

1. Gründung Kölns und Entwicklung der römischen Stadt
2. Stadtmauer, Straßen und Wasserversorgung, Divitia
3. Spätrömische Periode und weitere politische Entwicklung der Stadt
D. Wichtige Geschichtsdaten zum Römischen Köln und seines Umfeldes

Anhang:
Antike Geschichte - Datensammlung zur antiken Geschichte

 
In  Kölner Museen werden Objekte aus dem römischen Köln gezeigt im
 

 Römisch-Germanischen Museum
und demnächst
 Museum "Archäologische Zone"
archäologische Exponate der Antike aus Köln und dem Rheinland
von der Urgeschichte bis zum frühen Mittelalter


1. Gründung Kölns und Entwicklung der römischen Stadt

Das römische Köln ist vermutlich um 19 v. Chr. (früher meinten manche 38 v. Chr.) als Siedlung Oppidum Ubiorum gegründet worden und wäre damit die älteste Stadt Deutschlands. Trier, das sich selbst als älteste Stadt bezeichnet, ist als römische Siedlung mit dem Namen Augusta Treverorum 16 v. Chr. gegründet worden. Allerdings gab es um 30 v. Chr. dort ein Militärlager, aus dem sich aber nicht wie in Köln aus dem Oppidum die spätere Stadt entwickelt hat.

Um 39/38 und 20/19 v. Chr. war Agrippa  (63 - 12 v. Chr.) Statthalter in Gallien. Agrippa war ein Feldherr und Vertrauter des Octavian, dem Begründer des Prinzipats und damit der späteren römischen Kaiserzeit, der von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. unter dem Ehrentitel Augustus (= "der Erhabene") das Römische Imperium regierte. Das Grenze zu dem rechtsrheinischen Germanengebiet, von den Römern Germania Magna ("großes Germanien") genannt, bildete  der Niederrhein. Unter Leitung Agrippas siedelten die Römer die aus dem rechtsrheinischen Lahngebiet um das heutige Gießen stammenden Ubier auf die linke Rheinseite um. Auf einem hochwassersicheren Hügel am linken Rheinufer im Gelände der späteren römischen Colonia und damit im Zentrum des späteren linksrheinischen Köln gründeten sie die römische Siedlung Oppidum Ubiorum (= "Zivile Siedlung der Ubier"). Heute nimmt man überwiegend an, dass die Gründung der Ubiersiedlung in der zweiten Statthalterperiode Agrippas - also 19 v. Chr. - erfolgt ist. 

Die verbündeten Ubier sollten die römische Rheingrenze gegen die Germanen verteidigen. Diese Siedlung bauten die Römer im Auftrag des Augustus ab ca. 7 v. Chr. zu einem zentralen Ort aus, der später Provinzhauptstadt wurde. Hierzu gehörte auch, dass sie hier ab ca. 9 v. Chr. einen Altar für  Roma und Augustus (Ara Ubiorum) errichteten. Aus dieser Gründerzeit stammt  das Ubier- Monument, das älteste steinerne Bauwerk und Denkmal der Stadt, das von den Römern um 5 n. Chr. erbaut und vermutlich zunächst in eine erste Holz-/Erde-Umwallung des Oppidum und später in die steinerne römische Stadtmauer integriert worden ist. Nach der von den Römern unter dem Heeresführer Varus 9 n. Chr. gegen die rechtsrheinisch siedelnden Germanen unter dem Cheruskerfürst Arminius verlorenen "Varus-Schlacht" (vermutlich bei Kalkriese, früher auch "Schlacht im Teutoburger Wald" genannt)  blieb das Oppidum Ubiorum ein zentraler Verwaltungs- und Kultort für die Römer und wurde Grenzort am Rhein, war Sitz des Heeresführers des Niedergermanischen Heeres und zeitweise (im frühen 1. Jhdt. n. Chr.) Garnisonsstandort mit einem festen Winterlager der I. und XX. (?) Legion (insges. waren im 1. Jhdt. 4 Legionen und danach 2 Legionen am Niederrhein stationiert; zu einer Legion gehörten 6000 Soldaten unter Leitung eines Legatus Legionis).  

Im Jahr 50 n. Chr. erhielt das Oppidum Ubiorum durch den römischen Kaiser Claudius den Status einer Stadt römischen Rechts mit dem Namen
Colonia Claudia Ara Agrippinensium (abgekürzt: CCAA)
(frei übersetzt: "Stadt römischen Rechtes und  Stadt der Agrippinenser, unter Kaiser Claudius gegründet am Ort des Altars  für den Kaiserkult"),

die die Römer später wohl nur kurz "(Colonia) Agrippina" nannten.  Aus der römischen Bezeichnung Colonia Claudia Ara Agrippinensium entwickelten sich nachantik die Abkürzung Colonia - so nannten die Franken die Stadt -,  im Mittelalter die Bezeichnungen Coellen und Coeln (am Rhein) bzw. lateinisch Colonia Agrippina sowie in der jüngeren Neuzeit Cöln und ab 1919 der heutige Name Köln (mundartlich: Kölle). Die Verleihung dieses höchsten Stadtrechts im römischen Kaiserreich hatte Agrippina, Urenkelin des Augustus,  Mutter des späteren Kaisers Nero und seit 49 Frau des Kaisers Claudius, die am 06.11.15 n. Chr. in der späteren CCAA geboren worden war, veranlaßt. Agrippina die Jüngere war eine Tochter des Heeresführers Germanicus und dessen Frau Vipsania Agrippina (Agrippina die Ältere).  Der Rang einer Colonia der römischen Kaiserzeit wurde an nur an wenige Städte in den Provinzen erteilt, davon 4 im heutigen Deutschland (Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) (Köln) und Colonia Ulpia Traiana (CUT) (Xanten) in der Provinz Germania Inferior, Augusta Treverorum (Trier) in der Provinz Gallia Belgica und Augusta Vindelicorum (Augsburg) in der Provinz Raetia.

Mit der Erhebung der Siedlung zu einer Colonia begann eine enorme Entwicklung des antiken Köln und dessen weiterer Aufschwung. Die CCAA stand damit in der Städte-Hierarchie im Imperium ganz oben, die Bürger waren den Römern gleichgestellt. Die CCAA war in ihrer Glanzzeit im 2. und 3. Jhdt. n. Chr. eine der bedeutendsten
Städte des römischen Imperiums und lange dessen größte Stadt nördlich der Alpen (um 300 war dies dann das mittlerweile Treveris genannte heutige Trier). In der Bonner Ausstellung "Krieg und Frieden" des Rheinischen Landesmuseums (2007) wurde das wie folgt beschrieben: "Köln wurde zu einer blühenden Stadt und zum Motor der Romanisierung, die durch die Zuwanderung aus allen Teilen des Imperiums und dem daraus resultierenden inernationalen Flair noch verstärkt wurde."  Im ARTE-TV-Film "Die Germanen (3.)" (2008) hieß es: "Köln ist in der Antike die größte Stadt nördlich der Alpen. Im 3. Jhdt. steht die Colonia Agrippina in voller Blüte - ein Abbild Roms im Kleinen. ... Bis zu 40000 Menschen - Einheimische und Römer - leben friedlich zusammen." Und bei einem Besuch der Ausgrabungen des Forum Romanum in Rom - dem Zentrums des antiken Roms - bemerkt der Besucher an Schautafeln mit den Imperiumsgebieten in den Epochen des Römischen Imperiums, dass "Colonia" dort als wichtiger Standort  in der Kaiserzeit n. Chr. aufgeführt ist und in die römische Geschichte eingebunden war. CCAA  war übrigens die einzige römische Colonia, die den Namen einer Frau trug! 

Römisches Köln/Agrippa
 Agrippa
(Skulptur im Louvre)
 Römisches Köln/Agrippa
Agrippa
(Figur am Rathausturm) 
Römisches Köln/Augustus
Augustus (Princeps 27 v. - 14 n. Chr.)
(Denkmal in Rom) 
Römisches Köln/Claudius
Claudius (Kaiser 41 - 54)
Römisches Köln/Agrippina d. Ä.
Agrippina die Ältere
(Mutter der Agrippina die Jüngere)
(Skulptur im Louvre) 

Römisches Köln/Agrippina
Agrippina die Jüngere
(Skulptur am Rathausturm)  

Köln existiert also seit um 19 v. Chr. als befestigte Siedlung und
ab 50 n. Chr. (= Bezugsjahr für die 2000-Jahr-Feier Kölns!) mit den offiziellen Stadtrechten einer Colonia. Andere römische Städte feiern ihr Jubiläum in Bezug auf ihre Gründung (wie 1984 das 16 v. Chr. gegründete Trier); bei gleicher - eigentlich richtigen - Vorgehensweise hätte Köln schon 1981 dieses Jubiläum begehen sollen. Die Einwohnerzahl  Kölns in der Blütezeit der römischen Phase wird auf ca. 20.000 (bis 40000) geschätzt. Bei der Ernennung zur Colonia umfaßte das zu dieser Zeit neuvermessene römische Köln ca. 97 ha. Später bildeten sich vor den Toren Vorstädte ("Suburbium") - vor allem im Süden -.  Außerhalb der Stadtmauer wurden nach römischer Tradition auch die Gräberfelder angelegt, die zum Teil ausgegraben worden sind (u. a. unter der Romanischen Kirche St. Severin).

Zusammengefasst kann man als Gründer Kölns benennen:

Etwa 3,5 km südlich der römischen Stadt wurde Mitte des 1. Jhdt. n. Chr. (um 17 n. Chr. ?) auf einem hochwassersicheren Hügel das römische Flottenlager "Alteburg"  im heutigen südlichen Stadtteil Köln-Marienburg gegründet (Alteburg ist der Flurnamen des Geländes an der Straße An der Alteburger Mühle). Es war das einzige Flottenlager auf deutschem Boden. Hier war bis in die 2. Hälfte des 3. Jhdt. die zentrale Kriegsflotte "Classis Germanica" zur Sicherung der Rheingrenze stationiert.

Auf der der befestigten CCAA vorgelagerten frühzeitlichen Rheininsel (oder Halbinsel) - zwischen Rhein und einem Nebenarm des Flusses und damit außerhalb der Stadtmauer - gab es vom 1. bis Mitte 2. Jhdt n. Chr. eine Palaestra (Sportanlage) mit einem Wasserbecken und ab Mitte 2. Jhdt. vier dreischiffige Horrea (Lagerhäuser) mit einem großen Hofraum. Über den Fundamenten des südöstlichen dieser Lagerhäuser wurde im Mittelalter die dreischiffige Romanische Kirche Groß St. Martin erbaut. Dieser Rheinarm ist ab vermutlich Mitte des 2. Jhdt. allmählich verlandet und wurde aufgeschüttet  (im Gelände um den heutigen Alter Markt/Heumarkt). Ein dort vorhandener Hafen musste verlegt werden. Spätestens um 940 ist dieses Gelände zur ersten urbanen Stadterweiterung des Mittelalterlichen Köln genutzt worden. Nach neueren Ausgrabungsergebnissen dürfte diese Erweiterung jedoch schon in spätrömischer Zeit erfolgt oder zumindest begonnen worden sein (in der 2. Hälfte des  4. Jhdt. oder sogar schon zum Zeitpunkt des Baus der röm. Rheinbrücke um 310). 

Mit der Gründung der römischen Provinzen Nieder- und Ober-Germanien unter Kaiser Domitian (81 - 96 n. Chr.)  wurde  die CCAA um 90 n. Chr. Hauptstadt der römischen Provinz Nieder-Germanien ("Provincia Germania Inferior"). (In den Ausgrabungen des Praetoriums (Statthalter-Palast) als Außenstelle des Römisch-Germanischen Museums wird als Gründungsjahr dieser Provinzen das Jahr 85 n. Chr. genannt.)  Die Provinz Nieder-Germanien reichte im Norden bis zur Nordsee und im Süden bis zum Vinxtbach beim heutigen Remagen und umfasste Teile des heutigen nordwestlichen Deutschlands und der heutigen Niederlande sowie das heutige Belgien. Die jetzt nur noch 2 Legionen am Rhein waren im Castra Vetera II (beim heutigen Xanten) und im Castra Bonna (Bonn) untergebracht. Geführt wurde die Provinz von einem Statthalter als Verantwortlichem für die zivile Verwaltung (Kaiserkult, Polizeigewalt und oberste richterliche Instanz) und zugleich als Oberbefehlshaber der in der Provinz stationierten Legionen in direkter Vertretung des Kaisers.  In den für das Imperium äußerst wichtigen Grenzprovinzen Nieder- und Ober-Germanien waren die Statthalter (Titel: "Legatus Augusti Pro Praetore") stets ehemalige Konsuln. Der Statthalter von Nieder-Germanien residierte im Praetorium, einem prächtigen Palast an der gleichen Stelle, an der heute das Kölner Rathaus steht. Köln wird also seit 2000 Jahren von der gleichen Stelle aus geführt - ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in Europa.

Römisches Köln/Skizze 1./2. Jhdt.
Das frühe römische Köln
 (ältere Modellskizze; heute geht man bei der Insel zumeist von einer Halbinsel aus.)
.Römisches Köln
römisches Köln/südliche Gräberfelder
Römisches Köln/Skizze 4. Jhdt.
CCAA nach 310 (mit Brücke zum Castell Divitia)
Römisches Köln/Weiterentwicklung
Weiterentwicklung der Stadt
im Mittelalter


 2. Stadtmauer, Straßen und Wasserversorgung, Divitia


Für die Funktion römischer Städte war der Ausbau des Straßennetzes und dessen Anbindung an das Fernstraßennetz sowie die Wasserversorgung entscheidend. Hierbei erwiesen sich die Römer als hervorragende Bauherren. Dem Schutz der großen Städte dienten mächtige Stadtmauern. Städtehierarchie: Colonia = Stadt römischen Rechts (mit römischen Bürgerrechten), Civitas = Verwaltungsbezirk (städtisches Zentrum + Umland), Oppidum = stadtartige befestigte zivile Siedung, Castrum = Militär-/Legionslager, Vicus  = zivile Siedlung.                   

Stadtmauer
Mit der Erhebung zur Colonia wurde die CCAA - wie im Imperium  üblich - nach dem Vorbild Roms ausgebaut (zum Zeitpunkt Vespasians, Kaiser 69 - 73, etwa ein Fünftel der Größe Roms). Die römische Stadt CCAA erhielt als Verteidigungs-Bauwerk eine knapp 4 km lange und ca. 8 m hohe Stadtmauer mit 9 Stadttoren (1  im Norden, 3 im Westen, 2 im Süden, 3 im Osten zum Hafen/Rhein), 19 runden Wehrtürmen und 1 großen quadratischem Turm in der SO-Ecke (Ubiermonument). Sie ist nach Erkenntnissen aus neueren Ausgragungen 
(Zitat Dr. Trier, RGM Köln) um 90 n. Chr. gebaut worden (frühere Schätzungen: um 50 bis 70 n. Chr.). Die römische Stadtmauer umfasste das römische Köln und damit das Kerngebiet der späteren mittelalterlichen Stadt, deren Grenze der Verlauf heutigen Ringstraße nachbildet. Das römische Straßennetz und die Trasse der späteren mittelalterlichen Mauer prägen noch heute die Struktur der Kölner Innenstadt.

 Die römische Mauer verlief 
grob geschildert im heutigen Kölner Stadtzentrum  in folgenden Trassen:
  • Ostmauer von SO-Ecke Mühlenbach/An der Malzmühle östlich vorbei an St. Maria im Kapitol, westlich vom heutigen Heumarkt und auf dem Hügel westlich vom Alter Markt - auf dem Hügel steht heute das Rathaus (Nachfolger des römischen   Praetorium) -,
  •  Nordmauer nördlich vom Dom und entlang des Straßenzugs Komödienstraße/Burgmauer, 
  •  Westmauer vom NW-Turm, dem sog. "Römerturm",  aus in südlicher Richtung östlich vorbei an St. Aposteln,  westlich vorbei am Neumarkt,  entlang der Clemensstraße und östlich des Mauritiussteinwegs,
  •  Südmauer entlang des Straßenzugs der sog. "Bäche" bis SO-Ecke Mühlenbach/An der Malzmühle - dort steht das Ubier-Monument. -.

 Von dieser römischen Stadtmauer sind als Kultur-Denkmäler im Stadtbild erhalten: 


(Diese Denkmäler werden leider teilweise vernachlässigt und nicht gepflegt, manches wird den Kölner Bürgern und den vielen Besuchern der Stadt nicht angemessen oder gar nicht  präsentiert; siehe hierzu Mängelliste Kölner Denkmäler  )

Bei der ersten urbanen Stadterweiterung Kölns, die nach neueren Ausgrabungsergebnissen vermutlich schon in der spätrömischen Phase begann, ist die Römermauer wohl im Norden und Süden bis zum Rhein verlängert worden. Die römische Stadtmauer erfüllte bis zur zweiten Stadterweiterung des Mittelalterlichen Köln (1106) ihre Verteidigungs-Funktion und verfiel danach allmählich. Im Mittelalter wurden Mauerteile zum Teil in die Bebauung integriert. So bildete sie z. B. die östliche Begrenzung des Stifts St. Aposteln am Neumarkt, was durch eine (heute zugemauerte) Tür,  die von der Maueroberkante in die Stiftskirche führte, zu erkennen ist.

Straßen und Wasserversorgung
Eine der großen Stärken im römischen Imperium waren der Bau eines weitreichenden und gutorganisierten Straßennetzes. Die Straßen innerhalb der CCAA bestanden nach dem Vorbild Roms aus einem Gebilde aus senkrecht zueinander angelegten Stra
ßen mit einer Nord-/Süd-Hauptstraße ("Cardo Maximus") und einer Ost-/West-Hauptstraße ("Decumanus Maximus"). Der Verlauf dieser Straßen ist noch heute mit den Trassen von Hohe Straße bzw. Schildergasse zu erkennen. Der Cardo Maximus hatte eine nutzbare Straßenbreite von 22 m (lt. Angabe an Ausgrabung einer röm. Hafenstraße in Nähe Dom; heutige Hohe Str. ca. 6 m). An das römische Fernstraßennetz war die CCAA mit je einer Straße nach Norden, Westen, Süd-Westen und Süden eingebunden. Die in manchen Skizzen erwähnte Straße nach Nord-Westen hatte wohl nur regionale Bedeutung als Landstraße.

Die römische Nord-Süd-Fernstraße aus Richtung Nijmegen/Nimwegen (Noviomagus) und Xanten (Colonia Ulpia Traiana) gelangte
durch das Nordtor der römischen Stadtmauer in die CCAA, führte über den Cardo Maximus (heutige Hohe Str./Hohe Pforte), verließ das römische Köln durch das Südtor und die heutige Bonner Str. (zu römischer Zeit eine Gräberstraße außerhalb der Stadtmauer) und führte
nach Süden über Koblenz (Confluentes) und Mainz (Moguntiacum) (= Hauptstadt Ober-Germaniens/Germania Superior) und weiter in Richtung Italien. Die Straße nach Westen verlief über den Decumanus Maximus (heutige Schildergasse) und verließ die Stadt über die heutige Aachener Str. (zu römischer Zeit ebenfalls eine Gräberstraße) und führte über Jülich (röm. Siedlung Juliacum) und das belgische Tongeren (Atuatuca Tungrorum) in Richtung des heutigen Nordfrankreich und zur Atlantikküste bei Boulogne-sur-Mer. Eine weitere römische Straße nach Süd-Westen verließ die CCAA südwestlich über die heutige Luxemburger Straße (B 256) und führte über Zülpich (Tolbiacum), Trier (Augusta Treverorum, später Treveris), Lyon (Lugdunum) zum Mittelmeer mit einer Abzweigung in Zülpich in Richtung des  römischen Reims (Durocortorum).  Innerhalb der Regionale 2010 soll mit dem Projekt "Erlebnisraum Römerstraße" die regionale römische Geschichte des Rheinlandes für die Bürger greifbar gemacht werden.

Römische Fernstraßen von/nach Köln im einzelnen:

Römisches Köln/Nordtor (am Dom)
 Teil des röm. Nordtors
(am Dom/Domplatte)
Römisches Köln/Teil des Nordtos (im RGM)
Abdruck "CCAA" im Nordtor
(im RGM)      
Römisches Köln/Skizze Nordtor
   Skizze des röm. Nordtors
(mit Straßentor und 2 Fußgängertoren)
Römisches Köln/Hafenstraße
  römische Hafenstraße (3./4. Jhdt.)
 ( Nähe RGM)

Mit Gründung der CCAA mußte das römische Köln mit Frischwasser versorgt werden. Es mußte also wie zu anderen Metropolen im römischen Imperium eine Wasserleitung gebaut werden. Die Quelle der ersten Baustufe der Wassserleitung lag  im Vorgebirge vor den Toren Kölns  ("Vorgebirgskanal"),  die Quelle der zweiten  Baustufe ("Eifelkanal") befand sich  in der Eifel bei  Nettersheim. Der Eifelkanal war mit 95,4 km Länge einer der  längsten Frischwasser-Fernleitungen im römischen Imperium zur Versorgung von römischen Metropolen mit Wasser und der größte antike technische Bau nördlich der Alpen ... ein Meisterwerk antiker Bautechnik; Baubeginn des Eifelkanals ca. 80 n. Chr..

Divitia
Um 310 ließ Kaiser Konstatin, der sich damals längere Zeit in der CCAA aufhielt, die erste befestigte Rheinbrücke bauen. Die Brücke verband die linksrheinisch gelegene antike Stadt mit dem zur gleichen Zeit (von um 310 bis 315) von den Römern errichteten rechtsrheinischen Militär-Kastell Divitia. Diese steinerne Brücke befand sich nördlich der heutigen Deutzer Brücke und war mit etwa 420 m Länge und ca. 10 m Breite von für diese Zeit beträchtlicher Größe. Die heutige Altstadtstraße Salzgasse zwischen Heumarkt und Rhein liegt in der Trasse der damaligen Zugangsstraße zu dieser Brücke. Nach dem Fortzug der Römer (Anfang 5. Jhdt.) verfiel sie allmählich und wurde vermutlich im 9. Jhdt. abgerissen. Die nächste befestigte Brücke folgte erst über fünfzehnhundert Jahre später mit der 1859 eingeweihten Dombrücke!  Heute hat Köln insges. 8 Rheinbrücken.

Das Militärlager Divitia (Castrum Divitensium) (hiervon ist der Name der späteren Stadt Deutz - heute rechtsrheinischer Stadtteil Köln-Deutz - abgeleitet) mit einer Besatzung von ca. 1000 Legionären in 8 Kasernen hatte als zentraler militärischer Stützpunkt die Aufgabe, das spätrömische Köln und die Provinz vor den immer zahlreicher werdenden Angriffen rechtsrheinischer "Barbaren"-Stämme (später "Germanen" genannt) gegen die linksrheinischen römischen Gebiete zu schützen und den Handel zu überwachen. Das viereckige Kastell war von einer großen Mauer mit 2 Torburgen im Westen und Osten und 14 Wachtürmen gesichert. Nachdem die Römer Anfang des 5. Jahrhunderts abgezogen waren, wurde es ab Mitte des 5. Jhdt. von den Franken als Königshof genutzt ("Civitas Divitia"). Im 11. Jhdt wurde auf dem Gelände ein Benediktiner-Kloster errichtet. Reste des Ost-Tors des römischen Kastells sind als Denkmal noch erhalten (neben dem ehemaligen Lufthansa-Gebäude und der zu den kleinen Romanischen Kichen Kölns zählenden Kirche Alt St. Heribert gelegen - z. Zt. wegen Bauarbeiten unzugänglich -), leider - wie auch Fundstellen der lrh. römischen Stadtmauer - unzulänglich gepflegt und präsentiert (siehe vorgenannte Mängelliste). Das Gelände um das ehemalige Militär-Kastell ist von großer archäologischer Bedeutung. Bei den Ausgrabungen im Zusammenhang mit dem Bau des Rheinboulevards (2010/2011) wurden bisher dort gefunden: weitere Reste des spätrömischen Kastells, Fundamente der mittelalterlichen Pfarrkirche Alt St. Urban (um 7. - 9. Jhdt.) und Gräber des Friedhofs dieser Kirche, Fundamente eines mittelalterlichen Wehrturms (evtl. des Grafen von Berg, um 1205), Grundmauern einer preußischen Kürassier-Kaserne mit einem Turm auf den Grundmauern eines Eckturms des römischen Kastells (sog. "Schinkenkessel") sowie Bauten des Kopfbahnhofs der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn (1882) (u. a. Fundament einer Eisenbahn-Drehscheibe und ein Teil der rheinseitigen Stützmauer des Bahnhofs), die 1913 mit dem Bau des heutigen Deutzer Bahnhofs aufgegeben worden waren ... also Fundstücke aus 1700 Jahren Deutz auf engstem Raum! Hoffentlich gelingt es, diese historischen Denkmäler weitmöglichst zu erhalten und erlebbar zu machen, statt sie zu vernichten, wie z. B. seinerzeit zum großen Teil mit der mittelalterlichen Stadtmauer geschehen. Planungen hierzu sind in Arbeit. Und hernach müssen diese Funde anders als viele andere historische Bodendenkmäler (siehe vorgenannte Mängelliste) angemessen gepflegt und präsentiert werden. Der Förderverein "Historischer Park Deutz e. V." sollte unterstützt werden.


3. Spätrömische Periode und weitere politische Entwicklung der Stadt


259/260 bildete der Ursupator Postumes in Köln unter Loslösen vom römischen Imperium  - auch zur Abwehr der Germanen - ein Sonderreich innerhalb des römischen Reiches, das sog. Imperium Galliarum (gallisches Sonderreich), das die Provinzen
Germania Inferior (Nieder-Germanien), Germania Superior (Ober-Germanien), Gallia, Britannia, Hispania (Spanien) und Raetia umfasste. Postumus wurde auch erster Kaiser dieses Reiches (Residenzstadt: zunächst die CCAA, das heutige Köln). Nach Ermordung des Postumus um 269 verlor das Imperium Galliarum die Kontrolle über Britannia und Hispania. Seine Nachfolger verwalteten den Rest dieses Reiches. Die Residenz wurde ca. 271 nach Treveris (heutiges Trier) verlagert. Ca. 274 zerfiel diese Reich und die Provinzen wurden wieder in das Imperium eingegliedert.

Mit der Reichsreform des Kaisers Diocletian (284 - 305), der Tetrarchie,  wurde CCAA um 300 Hauptstadt der neu gegründeten Provinz Germania Secunda. Auch nach dem Überfall durch die Franken 355 mit Rückeroberung kurz danach gab es (anders als Ende des 4. Jhdt. in allen anderen vergleichbaren  Römerstädten inkl. Trier als Residenzstadt während der Tetrarchie und danach) keinen Zerfall, sondern das urbane Leben ging weiter. Die Stadt erlebte einen nahtlosen Übergang in ein frühmittelalterliches Handelszentrum. Indizien hierfür sind, dass der Cardo Maximus als wichtigste Strasse der Stadt nach neueren Ausgrabungsergebnissen noch bis in's  5. Jhdt. repariert worden ist, dass die kirchliche Organisation nicht zusammenbrach (siehe Daten der Vorläuferbauten des Kölner Doms) und dass nach neueren Ausgrabungsergebnissen die erste Stadterweiterung des Mittelalterlichen Köln schon in spätrömischer Zeit erfolgt oder zumindest begonnen worden ist (vermutlich in der 2. Hälfte des  4. Jhdt.).

Im Zuge der fortschreitenden Zerfalls des nach der Aufteilung des Imperium (395) bestehenden Weströmischen Reiches (Auflösung mit Sturz dessen letzten Kaisers 476) zogen die Römer ab. Köln wurde um 455 von den Franken besetzt und Königssitz des fränkischen Teilkönigreiches der ripuarischen Franken (Rheinfranken). Viele der Romanen (= Nachfolger der provinzionalen römischen Bürger) blieben aber hier wohnen. Die Franken behielten die römischen Verwaltungsstrukturen und auch Latein als Amtssprache bei.  Die Stadt erlebte dadurch als eine der ganz wenigen römischen Städte einen nahtlosen Übergang in eine frühmittelalterliche Stadt.  Die heutigen Kölner sind also - ethnisch gesehen - fränkischen Ursprungs mit großen Anteilen römischen Bluts. 507 fiel das fränkische Teilreich an das 482 durch Chlodwig I begründete Frankenreich der Merowinger (Chlodwig  soll in Köln als Herrscher aller Franken ausgerufen worden sein).  Mindestens seit dem Beginn des  4. Jhdt. ist Köln Bischofssitz.


Politische Zugehörigkeiten Kölns in der römischen und nachrömischen Zeit seiner über 2000-jährigen Geschichte im Überblick

    * um 19 v. Chr. bis um 455 n. Chr.: antikes Römisches Imperium (ab 50 n. Chr.  in dem Rang einer Colonia).
    * um 455 bis 962: fränkische Reiche.
    * 962 bis 1794: neues Römisch-deutsches Kaiserreich/ab 15. Jhdt. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (ab Mitte des 10. Jhdt. innerhalb des Kurfürstentums Köln (Kurköln), ab 1288 de facto und ab 1475 de jure als Freie Reichsstadt).
    * 1794 bis 1815 nach der Besetzung durch die Franzosen:  Französisches Reich (offizielle Eingliederung: 1801).
    * 1815 bis 1871: Königreich Preußen  (bis 1866 im Deutschen Bund).
    * 1871 bis 1918: Königreich Preußen (im Deutschen Kaiserreich).
    * ab 1918: deutsche Republiken (seit 1949 Bundesrepublik Deutschland/Bundesland Nordrhein-Westfalen).


Informationen und Fotos über Bauwerke und Fundstellen der römischen  Epoche Kölns siehe auch Themen-Seiten Kölner Bauwerke  und Kölner Denkmäler


D. Wichtige Geschichtsdaten zum Römischen Köln und seines Umfeldes

D1. Gründungsdaten der Mutterstadt Rom und römischer Schwesterstädte in der Nähe


antike Stadt

Daten

römischer Name *

Rom

753 v. Chr. mythische Gründung Roms durch Romulus
ca. 750 - 510 v. Chr. römische Königszeit
510 - 27 v. Chr. römische Republik
27. v. Chr. -  476  römische Kaiserreich (395 - 476  Weströmisches Reich),  (Oströmisches/Byzantinisches Kaiserreich 395 - 1453)
Roma



Kölnum 19. v. Chr. Gründung im Gebiet der späteren Colonia (heutige Kölner Innenstadt)
50 n. Chr. Erhebung der Oppidum zur Colonia
ab um 90  Haupstadt der Provinz Germania Inferior (Nieder-Germanien) (ab um 300 Germania Secunda)
259/260 - ca. 271 Hauptstadt des vom Statthalter Postumus in Köln gegründeten römisch-gallischen Sonderreiches
Oppidum Ubiorum 
Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA)  


Trierum 16 v. Chr.Gründung
ca. 271 - 274  Hauptstadt des vom Statthalter Postumus in Köln gegründeten römisch-gallischen Sonderreiches
293 - um 390 zeitweise Residenzstadt des westlichen römischen Teilreiches            
Augusta Treverorum (ab Mitte 1. Jhdt. Colonia Augusta Treverorum)

ab Ende 3. Jhdt. Treveris
Tongeren
(Belgien)
um 15 v. Chr. Gründung

Atuatuca Tungrorum in der Civitas Tungrorum

Xanten
um 13  v. Chr Gründung in Nähe des heutigen Xanten
71 n. Chr. Gründung  in Nähe des heutigen Xanten 
um 100 Erhebung einer Siedlung  im Gebiet der heutigen Stadt Xanten in Nähe der Lager Vetera zur Colonia
Castrum Vetera I 
Castrum Vetera II 
Colonia Ulpia Traiana (CUT)
Mainz
um 13 v. Chr. Gründung im heutigen Stadtteil Mainz-Kästrich
ab um 90  Hauptstadt der Provinz Germania Superior (Ober-Germanien)
Castrum Moguntiacum

Bonn
um 12 v. Chr. Gründung
1. Jhdt. nach Chr. Gründung von Castra 
Vicus Bonna
Castra Bonna/Bonnensia (?)
Speyer
um 10 v. Chr. Gründung

Castrum Noviomagus

Koblenz
um 9 v. Chr. Gründung in der heutigen Altstadt 

Castrum Confluentes

 * Vicus = kleine römische zivile Siedlung; Oppidum = befestigte römische zivile Siedlung; Atuatuca = römische Siedlung der KeltenCastrum /Plural Castra = römisches Militär-/Legionslager, Civitas = römischer Verwaltungsbezirk; Colonia = Stadt römischen Rechts

D2. Daten Römisches Köln 
römisches Köln/CCAA im Römischen Reich um 117
römisches Reich 117 n. Chr.

.
Römisches Köln/Konstantin und Postumus
Konstantin I und Postumus
  (Figuren am Rathausturm Köln)
Römisches Köln/Skizze röm. Rheinbrücke
Lage röm. Brücke und Divitia/um 310
(Skizze im Praetorium/RGM)
Römisches Koeln/Konstantin
   Konstatin d. Gr.
(Kaiser 306 - 337) 
Römisches Köln
Ausgrabung einer Römervilla in Ahrweiler
im  Einzugsgebiet  der CCAA (1.- 4 Jh.)

 
  Anhang: Antike Geschichte - Datensammlung zur antiken Geschichte
   
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Zu empfehlen ist das Buch von Gerta Wolf "Das römisch-germanische Köln"/Bachem Verlag ¤

Der Verfasser empfiehlt als Mitglied die Unterstützung des gemeinnützigen Vereins
> "Fortis Colonia - 2000 Jahre befestigtes Köln e. V., der sich um die wichtigen und bedeutenden Kölner Festunges-Denkmaler wieu. a.  die römische Stadtmauer kümmert, durch Mitgliedschaft und/oder Spenden,
sowie 
der aus einer  Bürger-Initiative entstandene
> "
Förderverein Historischer Park Deutz.


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© GL Köln

Stand: 12.02.2012

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